ALLE JUNGEN MENSCHEN SOLLEN DAS RECHT HABEN, IHRE BILDUNGSWEGE FREI ZU WÄHLEN

 

Wir leben in einer Zeit des Umbruchs. Niemand kann vorhersagen, welche Eigenschaften, Kenntnisse oder Fertigkeiten in der Welt von morgen besonders wichtig sein werden. Über intuitive Antennen für künftige Entwicklungen scheinen am ehesten die jungen Menschen selbst zu verfügen!

 

Ein überzeugendes Beispiel dafür sind viele jüngere Erwachsene von heute: Schon als Kinder waren sie im Umgang mit elektronischen Medien weitaus geschickter als ihre Eltern und Lehrer. Wer hat ihnen diese Fertigkeiten beigebracht? Niemand! Sie haben sie spielerisch selbst entwickelt, begeistert über die Erfahrung der Selbstmächtigkeit - sie wurden als „digital natives“ geboren! Mit unermüdlicher Wissbegier haben sie erkundet, was so ein Gerät alles kann, haben untereinander Erfahrungen ausgetauscht und begriffsstutzigen Erwachsenen einfachste Funktionen geduldig zu erklären versucht…

Ähnliche Erfahrungen machen Freilerner-Eltern auf allen Gebieten: Ihre Kinder brauchen überhaupt keine Vorgaben, sondern nur achtsame Unterstützung bei ihren eigenen Vorhaben. Mit schlafwandlerischer Sicherheit finden sie stets die passenden Experimentierfelder, wo sie, ihrem individuellen inneren Evolutionsplan folgend, teils allein, teils gemeinsam mit anderen, nach und nach alle ihre Talente und Begabungen in spielerischem Ernst ausleben können.

Die Lehrpläne der Regelschule legen das Hauptgewicht traditionell auf Verstandestraining. Immer mehr Wissenschaftler und Praktiker  erkennen jedoch, dass das nicht genügt. Reformschulen haben langjährige  Erfahrung mit einem ganzheitlicheren Bildungsverständnis, weshalb z.B. die Nachfrage nach Montessoriklassen oder -schulen im Regelschulwesen stetig steigt.

Damit sie ihre Methoden zum allgemeinen Nutzen weiterentwickeln bzw. zu ihren Wurzeln zurückkehren können, brauchen diese Reformschulen anstelle immer restriktiverer Vorschriften unbedingt freien Handlungsspielraum!

In alternativen wie in öffentlichen Schulen setzen schon jetzt zahlreiche engagierte Lehrer*innen auf Wertschätzung des Vorhandenen oder Erreichten anstelle beschämender Fehlersuche. Z.B. wird die von einer Wiener Pflichtschullehrerin entwickelte „Stärkenschatzsuche“ demnächst als App allen interessierten Pädagog*innen frei zur Verfügung stehen.

 

Es gibt also Anzeichen für einen grundlegenden Wandel im Bildungssystem („Schule im Aufbruch“ und viele andere Initiativen). Doch dieser Wandel ruft auch Gegenkräfte auf den Plan, wie die von der Regierung geplanten Maßnahmen (Ziffernnoten ab der 1. Klasse VS, Abschaffung von Schulversuchen usw.) beweisen. Unsere Hoffnung: Dass dies den längst fälligen Widerstand der Zivilgesellschaft endlich in Gang bringt…!

UNSERE VISIONEN:

 

1. EINE ZIVILGESELLSCHAFTLICHE INITIATIVE, DIE SICH FÜR UMFASSENDE BILDUNGSFREIHEIT GEMÄSS DEN MENSCHENRECHTEN UND NACH DEM VORBILD DER ANGELSÄCHSISCHEN LÄNDER EINSETZT,

wo die freie Wahl zwischen öffentlicher, privater, freier Schule oder Unschooling (Freilernen) seit jeher ein unantastbares Bürgerrecht ist, und wo die Arbeit alternativer Bildunginstitutionen nicht durch staatliche Auflagen behindert wird.

 

2. VERZICHT AUF PRÜFUNGEN IN DER BILDUNGSPHASE:

Freie Bildung bedeutet, den natürlichen, selbstgesteuerten WACHSTUMSPROZESS bei jedem einzelnen Kind ZULASSEN und wertschätzen, anstatt durch Vergleiche und Bewertungen eine fiktive Rangordnung zu erstellen, die mit der Würde JEDES Kindes unvereinbar ist. Allgemeine Leistungsziele vorzugeben und die Kinder dafür zu benoten, wie rasch und perfekt sie diese erreichen, ist so gesehen absolut widersinnig:

Welcher ernst zu nehmende Gärtner käme auf die Idee, seinen Pflanzen Leistungsziele vorzugeben und dann DIE PFLANZEN dafür verantwortlich zu machen, ob sie diese Ziele sehr gut, gut, befriedigend, ausreichend oder nicht ausreichend erfüllen?!

 

Ist ein Gärtner mit der „Leistung“ einer Pflanze unzufrieden, kann er sich allenfalls fragen, ob es am Wetter lag, oder ob er selbst bei Bodenwahl, Aussaat, Bewässerung, Düngung oder Ernte vielleicht Fehler gemacht hat?! Und man muss kein Gärtner sein, um zu wissen, dass es nichts nutzt, an einem Halm zu ziehen, damit er schneller wächst - man wird nur den Halm dabei beschädigen…

 

Um wieviel komplexer und unvorhersehbarer als die Entwicklung einer Pflanze ist die Entwicklung eines Kindes! Welcher Erwachsene dürfte sich anmaßen, sie zu steuern und zu beurteilen?

3. DIE AUSWEITUNG BEREITS EXISTIERENDER EIGNUNGSTESTS ODER AUFNAHMEPRÜFUNGEN FÜR JUGENDLICHE ZU BEGINN DER AUSBILDUNGSPHASE.

Ist die sensible Bildungsphase abgeschlossen, die dazu dient, individuelle Anlagen kennenzulernen und zu entfalten, wird ein junger Mensch früher oder später von sich aus den Wunsch äußern, eine AUSBILDUNG zu beginnen. Erst dann machen Püfungen - in Form von Eignungstests oder Aufnahmeprüfungen - in unseren Augen Sinn! Solche Tests können durchaus hohe Anforderungen an den Berufs- oder Studienanwärter stellen, sollten aber so oft wie nötig wiederholt werden dürfen.

 

4. SOLIDARITÄT IM BEKENNTNIS ZUR VIELFALT!

Eine einzige Bildungsform, die allen Ansprüchen von Eltern und Kindern gerecht wird, ist angesichts unserer immer größer werdenden individuellen Unterschiede gar nicht denkbar. Unterschiedliche persönliche Lebensumstände erfordern eine Vielfalt verschiedener Bildungswege. Wir bitten daher alle Befürworter*innen alternativer Bildungseinrichtungen - ob Waldorf-, Montessori- oder Freie Schulen, Weinbergschule, Homeschooler, Freilerner, vielleicht sogar aufgeschlossene Vertreter*innen der Regelschule - das Trennende hintan zu stellen!

 

Jede/r, die/der überhaupt bereit ist, Verantwortung für die Bildung ihrer/seiner Kinder selbst zu übernehmen, soll bei dem Modell bleiben, das ihrem oder seinem Herzen gerade am nächsten ist bzw. zu dem die Kinder sich am stärksten hingezogen fühlen! (Solche Vorlieben dürfen sich im Lauf der Zeit ja auch verändern, da der Mensch kein lebloses Objekt, sondern ein lebendiger PROZESS ist!) Zugleich aber mögen sich BITTE alle darauf besinnen, was sie EINT: Der Wunsch nach echter Methodenfreiheit, nach Unabhängigkeit von einengenden, pädagogisch bedenklichen Vorgaben oder Schikanen - und das Bekenntnis zur Vielfalt.

 

Je friedlicher und kooperativer die verschiedenen Einzelpersonen, Alternativschulen oder Freilernerbewegungen einander unterstützen und ihre Erfahrungen austauschen, desto reichere, schönere und überraschendere Blüten und Früchte könnte die ersehnte BILDUNGSFREIHEIT hervorbringen!